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Arthur  Schopenhauer

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Auszug aus: Unsere Zeit. Jahrbuch zum Conversations-Lexikon, 4. Bd. Leipzig (Brockhaus) 1860, S. 711 ff.;
  - Die Rechtschreibung wurde beibehalten; Zwischenüberschriften und Anmerkungen  von Herbert Becker -

- Teil 3 -

Vom “totgeschwiegenen” zum berühmten Philosophen

Daß sein 1819 erschienenes Hauptwerk unbeachtet blieb, sowie der Ruhm, den unterdessen der von ihm verachtete Hegel genoß, waren die Hauptgründe eines jahre- langen Schweigens der Indignation. (1) Dieses Schweigen unterbrach er erst im Jahre 1836 durch die kleine, aber inhaltsreiche Schrift “Über den Willen in der Natur”, welche nicht nur die durch die neuesten Forschungen gefundenen empirischen Belege für die Richtig- keit seiner Metaphysik enthielt, sondern auch deren Hauptpunkt, den Kern der Sache, noch in ein helleres Licht setzte. Schopenhauer selbst legte in seinen spätern Werken auf diese kleine Schrift stets hohen Werth.

Im Jahre 1839 krönte die königlich norwegische Societät der Wissenschaften zu Drontheim eine von Schopenhauer eingelieferte Preisabhandlung “Über die Freiheit des Willens” und ernannte ihn zu ihrem Mitgliede. Diese Krönung machte zuerst mehr aufmerksam auf Schopenhauer, als man es bisher gewesen war. Er gab die gekrönte Abhandlung sodann 1841 zusammen mit einer andern nicht gekrönten “Über das Funda- ment der Moral” heraus, welche durch eine Preisaufgabe der königlichen Societät der Wissenschaften zu Kopenhagen hervorgerufen war. Hierauf folgte im Jahre 1844 die zweite, um einen ganzen Band “Ergänzungen” vermehrte Auflage seines Hauptwerks,  und im Jahre 1847 die zweite, sehr erweiterte Auflage seiner längst vergriffen gewesenen Doctordissertation.

Ein neues Werk erschien erst wieder im Jahr 1851, zugleich das populärste, durch welches Schopenhauer auch in weitern als gelehrten Kreisen bekannt und berühmt wurde: “Parerga und Paralipomena. Kleine philosophische Schriften”, in zwei Bänden. (2) Seitdem erschienen nur noch neue Auflagen früherer Werke, aber kein neues mehr.
                                                                                                              

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(1) Mit Verbitterung mußte Schopenhauer zur Kenntnis nehmen, dass er von der akademischen Philosophie fast bis zu seinem letzten Lebensjahrzehnt kaum beachtet, gleichsam totgeschwiegen wurde.  

(2) In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daß 1853 in der “Westminster Review” ein Artikel unter dem Titel “Iconoclasm in German Philosophy” erschien. Sein Verfasser, John Oxenford, stellte dort Schopenhauers Philosophie als “Bildersturm” gegen die von Hegel beherrschte deutsche Philosophie vor, wobei für ihn,  “Arthur Schopenhauer einer der genialsten und lesenswertesten Schriftsteller der Welt” sei. Der Redakteur der Voß`schen Zeitung, Otto Lindner, übersetzte mit seiner Frau diesen Artikel, und veröffentlichte ihn in der erwähnten Zeitung. Arthur Hübscher nannte (in: Schopenhauer -Biographie eines Weltbildes, 2. erg. Aufl.,  Stuttgart 1967, S. 104) die Wirkung von Lindners Veröffentlichung in Deutschland “gewaltig”, so “daß sich von da an alles mit einem Schlage änderte” und “Schopenhauer in den Mittelpunkt des allgemeinen literarischen Interesses” rückte.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Weiter  > Arthur Schopenhauer (4)

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