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Arthur  Schopenhauer

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Auszug aus: Unsere Zeit. Jahrbuch zum Conversations-Lexikon, 4. Bd. Leipzig (Brockhaus) 1860, S. 711 ff.;
  - Die Rechtschreibung wurde beibehalten; Zwischenüberschriften und Anmerkungen  von Herbert Becker -

- Teil 6 -

 

Schopenhauers Verehrer und die Philosophieprofessoren

Nachdem einmal der Bann gebrochen und Schopenhauer aus seiner Verborgen- heit ans Licht der Öffentlichkeit gezogen worden war - was er besonders dem jüngern,
zu Berlin lebenden Philosophen Julius Frauenstädt zu verdanken hatte - ward auch sein Umgang und Verkehr mit den Mitlebenden ein regerer. Aus nah und fern besuchten ihn Gelehrte und Verehrer. Es bildete sich auch ein Kreis von begeisterten Anhängern seiner Philosophie, die, wenn sie auch nicht in allen Stücken derselben beistimmten, doch die Vorzüge derselben vor den anderen nachkantischen Systemen erkannten und priesen. Durch alles dieses wurde Schopenhauer in seinen letzten Lebensjahren milder, zugäng- licher und gesprächiger, als er sonst gewesen war.

Wer sich durch aufrichtige Theilnahme an seiner Philosophie sein Vertrauen zu erwerben wußte und von ihm nähern Umgangs gewürdigt wurde, konnte sich hohen Genusses in der Unterredung mit ihm erfreuen. Schon die gewaltige Stirn kündigte den kühnen Denker an, und seine Rede war durchdacht und ausdrucksvoll wie seine Schriften, nicht zurückhaltend mit seiner wahren Meinung. Die äußere Erscheinung Schopenhauer`s hatte etwas von dem vornehmen, imponirenden Wesen  Goethe`s, von der “Aristokratie der Natur”.

Die “Philosophieprofessoren” bekämpfte Schopenhauer bis an sein Lebens- ende; denn ihrer Taktik und Kamaraderie schrieb er es zu, daß er so lange ignorirt und “secretirt” worden. Alles, was er gegen sie auf dem Herzen hatte, expectorirte er in seiner sarkastischen Abhandlung über  die   “Universitäts-Philosophie” (s. “Parerga”    u.s.w., Bd.1). Dieser Angriff war nun freilich nicht geeignet, die Philosophieprofessoren geneigter zur Anerkennung Schopenhauer`s als einer wissenschaftlichen Größe zu machen; doch konnten auch sie nicht umhin, einen originellen Geist und genialen Schriftsteller in ihm anzuerkennen.

Die unbefangenste Würdigung fand Schopenhauer außerhalb des Kreises der Philosophen von Profession, bei gebildeten Liebhabern der Philosophie. Hier fanden sich zahlreiche Verehrer Schopenhauer`s unter Juristen, Medicinern, Naturforschern, Pädagogen, ja auch unter Soldaten und gebildeten Frauen.

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